
Ein riesiges Gähnen verschwindet! Leo findet es kitzelnd in seinem Bauchnabel wieder. Eine lustige Suche beginnt, um das Gähnen zu befreien.
Leo war müde, aber sein Gähnen verschwand auf wundersame Weise in seinem Bauchnabel! Mit Witzen und viel Lachen befreite er es und fand endlich seinen Weg ins Bett.
Leo war müde. So richtig müde.
Seine Augenlider fühlten sich an wie schwere Vorhänge, die unbedingt zufallen wollten.
Seine Arme waren schlaff wie gekochte Spaghetti, und seine Beine wollten nur noch eins: unter die Bettdecke.
Mama hatte ihm schon den Pyjama angezogen, den mit den kleinen Raketen drauf. Raketen waren super, aber gerade fühlte sich Leo eher wie eine Rakete, der der Treibstoff ausgegangen war.
Er stand vor seinem Bett, das so weich und einladend aussah, mit seinem Lieblingskuscheltier, dem Bären Brummi, der schon halb schlief.
„Zeit fürs Bett, mein kleiner Astronaut“, sagte Mama und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
Leo nickte schläfrig. Er reckte und streckte sich ein letztes Mal, bereit für den großen Sprung ins Land der Träume.
Und dann passierte es.
Ein Gähnen kam. Aber nicht irgendein Gähnen. Nein, es war das größte, tiefste, weiteste Gähnen, das Leo jemals gegähnt hatte.
Sein Mund öffnete sich so weit, dass er fast seine eigenen Ohren sehen konnte. Es fühlte sich an, als würde sein ganzer Kopf zu einem riesigen Gähn-Tunnel werden.
GÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHN! hallte es leise durchs Zimmer.
Es war ein Gähnen, so gewaltig, dass die Raketen auf seinem Pyjama kurz wackelten.
Als der Gähn-Orkan vorbei war, schloss Leo seinen Mund wieder. Er blinzelte.
Und merkte: Er war gar nicht mehr müde.
Überhaupt nicht.
Seine Augen waren plötzlich wieder hellwach. Seine Arme fühlten sich nicht mehr wie Spaghetti an, sondern eher… normal. Seine Beine wollten nicht mehr schlafen, sondern vielleicht… hüpfen?
„Komisch“, murmelte Leo. „Wo ist meine Müdigkeit hin?“
Er schaute sich um. Lag sie vielleicht unter dem Bett? Er bückte sich. Nur Wollmäuse und ein vergessener Baustein.
Im Kleiderschrank? Er öffnete die Tür. Nur Kleider und ein geheimnisvoller Geruch nach Lavendel von Mamas Mottenkugeln.
Hinter dem Vorhang? Nur die dunkle Nacht und ein paar Sterne.
Die Müdigkeit war weg. Und das riesige Gähnen? Auch weg. Aber wohin?
Leo runzelte die Stirn. So ein großes Gähnen konnte doch nicht einfach verschwinden. Das war doch viel zu groß dafür!
Er überlegte angestrengt. Wo könnte es sein?
Plötzlich spürte er etwas. Ein kleines, lustiges Kitzeln. Genau in der Mitte seines Bauches.
An seinem Bauchnabel.
Leo schaute an sich herunter. Sein Bauchnabel sah eigentlich aus wie immer. Ein kleiner Kringel in seinem Bauch.
Er stupste vorsichtig mit dem Finger dagegen.
Gähn.
Leo zuckte zurück. Hatte er das gerade richtig gehört? Ein winziges, leises Gähnen? Aus seinem Bauchnabel?
Er lauschte. Stille.
Er stupste nochmal, etwas mutiger.
Gähn! Diesmal etwas lauter.
Leo kicherte. „Bist du da drin?“ flüsterte er seinem Bauchnabel zu.
Gähn. kam die Antwort.
Das riesige Gähnen war nicht verschwunden. Es hatte sich in seinem Bauchnabel versteckt! Es musste beim großen Gähnen irgendwie falsch abgebogen sein und war statt aus dem Mund im Bauch gelandet.
„Na sowas“, sagte Leo. „Das ist ja verrückt. Aber du musst da wieder raus! Ich will doch schlafen!“
Der Bauchnabel antwortete nicht. Vielleicht war das Gähnen dort drin jetzt eingeschlafen?
„Hallo? Gähnen? Aufwachen!“ rief Leo etwas lauter.
Ein müdes gähn drang nach außen.
„Du musst rauskommen“, erklärte Leo geduldig. „Im Bauchnabel ist doch kein Platz für so ein großes Gähnen.“
Aber wie sollte er es da rausholen? Mit einer Pinzette? Nein, das kitzelt zu sehr.
Mit einem Strohhalm aussaugen? Igitt, nein.
Leo überlegte. Was mögen Gähnen denn gerne? Müdigkeit! Schlaf!
Er hatte eine Idee. Er holte sein Lieblingsbilderbuch vom Nachttisch. Es war eine ziemlich langweilige Geschichte über einen Stein, der den ganzen Tag nur herumlag.
Leo hielt das Buch vor seinen Bauch und begann mit monotoner Stimme zu lesen: „Der Stein lag da. Er war grau. Die Sonne schien. Der Stein lag immer noch da…“
Er las eine ganze Seite. Nichts geschah. Nur ein leises Schnarchen aus dem Bauchnabel.
„Du sollst doch rauskommen, nicht noch tiefer einschlafen!“ beschwerte sich Leo.
Okay, Plan B. Was hilft noch beim Einschlafen? Schäfchen zählen!
Leo schloss die Augen und stellte sich eine Wiese vor. „Ein Schäfchen springt über den Zaun… Zwei Schäfchen springen über den Zaun… Drei Schäfchen…“
Er spitzte die Ohren. Hörte er da ein leises mäh aus dem Bauchnabel? Nein, doch nur ein kleines gähn.
Das Gähnen war hartnäckig.
Leo seufzte. Was könnte noch funktionieren?
Da fiel ihm ein, was Oma immer sagte: „Lachen ist die beste Medizin!“ Vielleicht funktionierte das ja auch bei feststeckenden Gähnen?
Leo grinste. Er kannte ein paar superwitze.
Er räusperte sich und begann, seinem Bauchnabel Witze zu erzählen.
„Was ist grün und fliegt durch die Luft?“ fragte er feierlich. Pause. „Eine Fliege im Schlafsrock!“
Leo prustete los. Aus dem Bauchnabel kam ein kleines Kichern. Oder war das nur ein Glucksen?
Nächster Witz: „Treffen sich zwei Fische. Sagt der eine: ‚Hai!‘ Sagt der andere: ‚Wo?!‘“
Leo kringelte sich vor Lachen. Sein ganzer Bauch wackelte.
Und da! Aus dem Bauchnabel kam ein richtiges, kleines hihihi.
„Es funktioniert!“ rief Leo begeistert.
Er erzählte noch einen Witz, seinen allerbesten: „Warum können Skelette schlecht Geheimnisse bewahren? Weil man ihnen alles durch die Rippen sagen kann!“
Leo lachte so sehr, dass ihm die Tränen kamen. Sein Bauch hüpfte auf und ab wie ein Trampolin.
Der Bauchnabel schien mitzulachen. Er wackelte und zitterte.
Und dann, mit einem lauten Kitzel-Geräusch und einem finalen hihihi-GÄÄÄÄÄHN! machte es PLOPP!
Das riesige Gähnen schoss aus Leos Bauchnabel heraus!
Es war groß und glitzernd, wie eine Seifenblase voller schläfriger Energie. Es schwebte kurz unter der Zimmerdecke, drehte eine kleine Pirouette um die Lampe…
…und landete dann sanft und leise direkt auf Leos Kopfkissen.
In dem Moment, als das Gähnen auf dem Kissen landete, spürte Leo es.
Die Müdigkeit war wieder da.
Seine Augen wurden schwer. Seine Arme wurden zu Spaghetti. Seine Beine wollten nur noch unter die Decke.
Schnell krabbelte Leo ins Bett, direkt neben das gelandete Gähnen und Brummi, den Bären.
Er kuschelte sich ein.
Er schaute nochmal kurz auf seinen Bauch. Der Bauchnabel sah wieder ganz normal aus. Kein Kitzeln, kein Glucksen, kein Gähnen.
„Gute Nacht, Gähnen“, murmelte Leo schläfrig.
„Gute Nacht, Bauchnabel.“
Er schloss die Augen, und bevor das erste Schäfchen überhaupt an den Zaun denken konnte, war Leo tief und fest eingeschlafen, mit einem kleinen Lächeln im Gesicht.