Konrad Knolle will nicht ins Kartoffelbett

Konrad Knolle will nicht ins Kartoffelbett

Konrad Knolle, eine eigensinnige Kartoffel, hasst das Zubettgehen. Mit lustigen Ausreden und Fantasie versucht er, Mama Kartoffel zu überlisten.

Konrad Knolle war eine kleine, aber bemerkenswert eigensinnige Kartoffel.

Er hatte mehr Augen als die meisten seiner Kartoffel-Kollegen im dunklen, gemütlichen Kellerregal, und jedes einzelne schien „Nein!“ zu blinzeln, besonders wenn es Schlafenszeit war.

„Konrad, mein kleiner Erdapfel, es ist Zeit für dein Kartoffelbett“, säuselte Mama Kartoffel, die groß, rund und unendlich geduldig war.

Sie stupste ihn sanft mit ihrer runden Seite an.

Das Kartoffelbett war eine besonders weiche und kuschelige Mulde in der Kiste mit der lockeren Erde. Alle anderen jungen Kartoffeln liebten es.

Nur Konrad nicht.

Niemals!,“ brummte Konrad und stemmte seine nicht vorhandenen Hände in seine nicht vorhandenen Hüften. Seine Schale runzelte sich vor Protest.

„Ich habe noch wichtige Dinge zu erledigen, Mama.“

Mama Kartoffel seufzte leise, ein Geräusch wie trockene Erde, die rieselt.

„Ach ja? Und welche wichtigen Dinge wären das heute Abend, mein kleiner Dickkopf?“

Konrad reckte sich, soweit es eine Kartoffel eben kann.

„Erstens muss ich die Staubflusen unter dem alten Holzbrett zählen. Es könnten über Nacht mehr geworden sein! Das ist eine wissenschaftliche Untersuchung.“

Mama Kartoffel schmunzelte. „Ich glaube, die Staubflusen kommen auch morgen noch zurecht, Konrad.“

„Aber zweitens“, fuhr Konrad unbeirrt fort, „lausche ich dem geheimen Flüstern der Regenwürmer. Sie erzählen sich die besten Erd-Geschichten! Die kann ich doch nicht verpassen!“

„Die Regenwürmer schlafen jetzt sicher auch schon tief und fest“, erwiderte Mama Kartoffel sanft.

Konrad ließ sich nicht beirren.

„Und drittens – und das ist das Allerwichtigste! – trainiere ich gerade die Kellerspinnen. Sie sollen lernen, auf ihren Netzen Taucher-Ballett zu tanzen. Mit Tautropfen! Das wird eine Sensation!“

Er machte eine wichtige Miene, als hinge das Schicksal des gesamten Kellers von diesem Spinnenballett ab.

Mama Kartoffel lachte leise. „Mein kleiner Träumer. Die Spinnen weben sicher lieber in Ruhe ihre Netze.“

Konrad schmollte. Er rollte ein kleines Stück zur Seite, direkt an den Rand der Kiste.

„Schlafen ist langweilig!“, murmelte er. „Da draußen passieren bestimmt aufregende Sachen!“

Er spähte durch einen Spalt im Kellerfenster. Der Mond schien blass auf den Garten.

„Vielleicht“, flüsterte er verschwörerisch, „könnte ich mich heimlich nach draußen rollen! Zu den Glühwürmchen! Die haben bestimmt eine Disco im Gras. Mit blinkenden Lichtern und cooler Musik aus Grashalm-Trompeten!“

Seine Augen leuchteten bei dem Gedanken.

Oder“, überlegte er weiter, „ich könnte einen Tunnel graben! Einen geheimen Kartoffel-Tunnel direkt ins Radieschen-Königreich nebenan! Die Radieschen sind immer so lustig rot und knackig. Vielleicht haben sie geheime Schätze?“

Mama Kartoffel stupste ihn wieder an. „Die Radieschen schlafen auch, Konrad. Und Tunnel graben ist harte Arbeit. Dafür musst du ausgeruht sein.“

Konrad seufzte theatralisch.

„Aber ich habe Durst!“, fiel ihm plötzlich ein. „Ich brauche einen Schluck Wasser. Aber nicht irgendeins! Frisches, kühles Regenwasser, direkt aus der Wolke!“

„Im Keller gibt es kein Regenwasser aus der Wolke, mein Schatz“, sagte Mama Kartoffel geduldig. „Aber ich habe einen Tautropfen für dich auf einem Blatt gesammelt.“

Konrad nippte widerwillig an dem Tautropfen.

„Okay“, sagte er dann. „Aber bevor ich schlafe, erzähle ich dir noch einen Witz! Einen superguten Kartoffel-Witz!“

Mama Kartoffel nickte. „Na gut, einen Witz noch.“

Konrad räusperte sich. „Was sagt eine Kartoffel, die Achterbahn fährt? Halt dich fest, ich werde gleich püriert!

Er kicherte über seinen eigenen Witz. Mama Kartoffel lächelte.

„Der war gut, Konrad. Aber jetzt…“

„Moment!“, unterbrach Konrad sie erneut. „Ich muss noch überprüfen, ob mein Lieblingskieselstein auch schon schläft! Er liegt da drüben bei der alten Schraube. Er braucht seinen Schlaf, sonst ist er morgen ganz rau.“

Er rollte langsam zu einem kleinen, glatten Kieselstein.

„Pst!“, flüsterte er. „Schläfst du gut, Kieselbert?“

Der Kieselstein antwortete natürlich nicht.

„Siehst du, Mama? Er schläft tief und fest. Ich wollte nur sichergehen.“

Gerade als er zurückrollen wollte, raschelte es in der Ecke.

Eine Weinbergschnecke, Wanda mit Namen, zog langsam ihre Schleimspur über den kühlen Kellerboden.

„Guten Abend, Wanda!“, rief Konrad. „Hast du auch keine Lust zu schlafen?“

Wanda drehte gemächlich ihre Fühler in Konrads Richtung. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit.

„Schlaaaaafen?“, dehnte sie das Wort. „Ist seeeehr wichtig… für das Schneeeeckenhaus… und die Energie… für das laaaangsame Kriechen… morgen…“

Konrad wurde ungeduldig. Wandas Langsamkeit war ansteckend gähnend.

„Ja, ja, schon gut“, murmelte er. „Du bist keine große Hilfe.“

Plötzlich tauchte ein winziges, flackerndes Licht in der Nähe auf. Es tanzte unruhig hin und her.

„Huch? Was ist das?“, fragte Konrad neugierig.

Es war Gustav, ein etwas verwirrtes Glühwürmchen, das sich in den Keller verirrt hatte.

„Licht an! Licht aus!“, summte Gustav. „Wo ist die Wiese? Wer hat die Sterne versteckt? Ist das hier die große Erdbeermarmeladenhöhle?“

Konrad musste kichern. „Du bist im Kartoffelkeller, Gustav! Und nein, hier gibt es keine Erdbeermarmelade.“

Gustav seufzte traurig. „Schade. Ich suche den Ausgang. Aber hier ist alles so… braun.“

Konrad überlegte. Vielleicht war Wachbleiben doch nicht so aufregend, wenn man nur verwirrten Glühwürmchen begegnete und langsamen Schnecken zuhörte.

Mama Kartoffel rollte näher heran.

„Weißt du, Konrad“, sagte sie leise, „Kartoffeln haben die besten Träume.“

Konrad spitzte seine nicht vorhandenen Ohren.

„Träume? Was träumen Kartoffeln denn?“

„Oh, die tollsten Sachen!“, flüsterte Mama Kartoffel geheimnisvoll. „Manche träumen davon, goldbraune, knusprige Pommes Frites zu werden, die in der Sonne glänzen und von allen geliebt werden.

Konrads Augen wurden groß.

„Andere träumen davon, ein cremiges, weiches Kartoffelpüree zu sein, mit einem Klecks Butter obendrauf, das auf der Zunge zergeht.

„Mhhh, Kartoffelpüree…“, murmelte Konrad.

„Wieder andere träumen von Abenteuern als Pellkartoffel auf einem großen Fest oder als Hauptdarsteller in einem leckeren Kartoffelsalat! Und manche träumen sogar davon, neue kleine Kartoffelpflanzen wachsen zu lassen, hoch oben im Sonnenlicht.“

Mama Kartoffel stupste ihn sanft in Richtung Kartoffelbett.

„Aber um diese tollen Träume zu haben, mein kleiner Konrad, musst du schlafen. Im Schlaf sammelst du die Energie für all diese wunderbaren Kartoffel-Möglichkeiten.“

Konrad dachte nach. Pommes Frites sein… Püree… Abenteuer als Kartoffelsalat… Das klang plötzlich viel aufregender als Staubflusen zählen oder Spinnen beim Tanzen zuzusehen.

Er gähnte. Ein tiefer, ehrlicher Kartoffel-Gähner.

Seine Augenlider, oder besser gesagt, seine Augenflecken, wurden schwer.

Langsam, ganz langsam, rollte Konrad Knolle in seine weiche Erdmulde.

Er kuschelte sich tief hinein. Die Erde war kühl und angenehm.

„Na gut, Mama“, murmelte er schläfrig. „Vielleicht ist Schlafen doch nicht so langweilig. Vielleicht… träume ich ja vom Fliegen… als Kartoffel-Flugzeug…“

Seine Stimme wurde immer leiser.

Mama Kartoffel lächelte und deckte ihn noch mit einem winzigen, trockenen Blättchen zu.

„Schlaf gut, mein kleiner Abenteurer“, flüsterte sie.

Konrad Knolle, die kleine, eigensinnige Kartoffel, war endlich eingeschlafen. Und wer weiß, vielleicht träumte er ja wirklich gerade davon, als knusprige Pommes Frites durch den Himmel zu sausen.