
Lena entdeckt, dass ihr Handtuch Hugo ein kitzeliges Monster ist! Gemeinsam jagen sie kichernde Wassertropfen im Bad. Ein lustiges Abenteuer.
Lena saß quietschvergnügt in der Badewanne.
Warmes Wasser umspielte sie, und der Schaum baute lustige Berge auf ihren Knien.
Plitsch, platsch, machte ihre kleine gelbe Ente, als sie Wellen erzeugte.
Aber als Mama den Stöpsel zog und das Wasser gurgelnd verschwand, wurde es Lena doch ein bisschen mulmig.
Draußen wurde es langsam dunkel, und die Schatten im Badezimmer tanzten an der Wand.
Mama wickelte sie schnell in ein riesiges, flauschiges Handtuch. Es war hellblau und so weich wie eine Wolke.
„So, mein Schatz, schnell abtrocknen und dann ab ins Bett“, sagte Mama und gab ihr einen Kuss auf die nasse Stirn, bevor sie kurz das Zimmer verließ, um den Schlafanzug zu holen.
Lena stand allein im Badezimmer, eingewickelt in das große Handtuch.
Die Fliesen fühlten sich kühl unter ihren nackten Füßen an.
Sie blickte sich um. Der Spiegel war beschlagen, und die Shampooflaschen sahen im Dämmerlicht wie kleine, seltsame Figuren aus.
Ein bisschen gruselig war das schon.
Plötzlich zuckte das Handtuch in ihren Armen!
Lena erschrak. Hielt sie es nicht fest genug?
Sie packte fester zu. Da! Es bewegte sich wieder! Es war, als würde jemand darunter kichern.
Vorsichtig, ganz vorsichtig, lupfte Lena eine Ecke des Handtuchs.
Zwei große, aufgenähte Knopfaugen blickten sie freundlich an. Die hatte Oma mal darauf genäht, weil eine Ecke eingerissen war.
Eine gedämpfte, flauschige Stimme murmelte: „Puh, endlich Luft! Hallo!“
Lena ließ das Handtuch fast fallen. „Wer… wer bist du?“, stammelte sie.
„Ich bin Hugo!“, sagte die Stimme etwas lauter. „Dein Handtuch. Naja, eigentlich bin ich ein Handtuchmonster!“
Ein Monster? Lena machte große Augen. Aber dieses Monster sah gar nicht schrecklich aus. Es sah aus wie… nun ja, wie ihr Handtuch mit Knopfaugen.
„Aber keine Sorge“, brummte Hugo flauschig weiter. „Ich bin kein Gruselmonster. Ich bin ein Kitzelmonster!“
„Ein Kitzelmonster?“, fragte Lena neugierig.
„Ganz genau! Und ich bin furchtbar kitzelig, besonders wenn noch Wassertropfen auf mir herumkullern. Kchchch!“, Hugo schüttelte sich, soweit das als Handtuch eben ging.
„Und weißt du was?“, fuhr Hugo fort, seine Stimme klang jetzt verschwörerisch. „Ein paar von diesen frechen Kitzel-Tropfen sind beim Baden entwischt! Sie verstecken sich hier im Bad und kichern bestimmt schon!“
Hugo beugte sich näher an Lenas Ohr heran, soweit ein Handtuch sich eben beugen kann. „Siehst du die beschlagene Stelle am Spiegel? Ich wette, da kitzelt einer! Kchchch!“
Lena musste kichern. Ein kitzeliges Handtuchmonster auf Tropfenjagd? Das klang lustig.
„Hilfst du mir, sie zu finden, bevor sie mich zum Platzen bringen?“, fragte Hugo hoffnungsvoll. „Du hast doch die besten Augen!“
Die Angst vor den Schatten war wie weggeblasen. Das hier war ein Abenteuer!
„Na klar helfe ich dir!“, rief Lena entschlossen. Sie warf sich Hugo wie einen Superhelden-Umhang über die Schultern. Die Knopfaugen lugten über ihrer linken Schulter hervor.
„Okay, Kitzel-Kommando, auf zur Suche!“, kommandierte Hugo mit seiner flauschigen Stimme. „Erster Stopp: Der Wasserhahn! Der glänzt so verdächtig!“
Lena tippelte zum Waschbecken. Der Wasserhahn blitzte im letzten Licht. Und tatsächlich, da saß ein einzelner, dicker Wassertropfen auf der Spitze.
„Da ist einer!“, flüsterte Lena.
„Schnapp ihn dir! Aber vorsichtig, er ist bestimmt super kitzelig! Kchchch!“, warnte Hugo aufgeregt.
Lena tupfte den Tropfen vorsichtig mit einer Ecke von Hugo auf.
„Haps!“, machte Hugo ein schmatzendes Geräusch. „Mmmh, lecker erfrischend! Und gar nicht so kitzelig wie gedacht.“
„Wo könnte der nächste sein?“, überlegte Lena laut.
„Ich hab da so ein Gefühl…“, murmelte Hugo. „Hinter den bunten Flaschen! Da ist es immer so schön schattig, da verstecken sich die schüchternen Tropfen.“
Sie schlichen zur Badewannenkante. Lena spähte hinter die Shampooflasche mit dem Delfin drauf.
„Kicher, kicher!“, hörte sie ganz leise. Natürlich nur in ihrer Fantasie, aber es passte perfekt.
„Erwischt!“, rief Lena und wischte mit Hugo schnell hinter der Flasche entlang.
„Huiii! Der war aber schnell! Kchchch!“, lachte Hugo und schüttelte sich wieder.
So ging die Jagd weiter. Sie fanden einen Tropfen, der sich auf dem warmen Heizkörper sonnte („Fauler Tropfen!“, brummte Hugo), einen anderen, der mutig auf dem Duschkopf balancierte („Akrobaten-Tropfen!“), und sogar einen ganz kleinen, der sich in Lenas gelber Quietscheente versteckt hatte.
Bei jedem gefangenen Tropfen machte Hugo lustige Geräusche: Mal ein „Schlürf!“, mal ein zufriedenes „Aaaah!“, und immer wieder ein unterdrücktes „Kchchch!“.
Lena lachte und lachte. Das Badezimmer war gar nicht mehr gruselig, sondern ein aufregender Abenteuerspielplatz.
Schließlich verkündete Hugo feierlich: „Ich glaube… ich glaube, wir haben alle Kitzel-Tropfen erwischt! Ich fühle mich wunderbar trocken und gar nicht mehr kitzelig! Danke, Super-Lena!“
In diesem Moment kam Mama mit dem Schlafanzug zurück. „Na, mein Schatz, bist du endlich trocken? Du hast ja richtig Spaß hier.“
Lena strahlte. „Ja, Mama! Hugo und ich haben die Kitzel-Tropfen gefangen!“
Mama lächelte. „Hugo? Das ist aber ein schöner Name für dein Handtuch.“
Lena zog ihren Schlafanzug an und kuschelte sich noch einmal fest in Hugo. Er fühlte sich jetzt ganz normal an, weich und warm, ohne Knopfaugen, die blinzelten, oder eine flauschige Stimme.
Aber Lena wusste es besser.
Als sie im Bett lag, fest zugedeckt, dachte sie an das lustige Handtuchmonster Hugo.
Das Badezimmer war jetzt kein unheimlicher Ort mehr. Es war Hugos Reich, voller potenzieller Verstecke für kichernde Wassertropfen.
Und Lena freute sich schon auf das nächste Bad. Und auf die nächste Kitzel-Tropfen-Jagd mit ihrem Freund, dem Handtuchmonster.
Mit einem Lächeln auf den Lippen schlief sie ein.