Emilia Eichhörnchen zählt Sternschnuppen statt Nüsse

Emilia Eichhörnchen zählt Sternschnuppen statt Nüsse

Eichhörnchen Emilia entdeckt Sternschnuppen und findet heraus, dass Zählen viel spannender sein kann als nur Nüsse – eine humorvolle Gute-Nacht-Geschichte.

Emilia Eichhörnchen war ein sehr geschäftiges kleines Eichhörnchen.

Besonders im Herbst, wenn die Blätter in allen Farben leuchteten und die Luft nach Moos und feuchter Erde roch.

Dann war Nuss-Sammelzeit!

Emilia war die Königin im Nüssefinden. Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse – keine war vor ihrem flinken Blick und ihren geschickten Pfoten sicher.

Sie hatte schon einen beachtlichen Vorrat in ihrer gemütlichen Baumhöhle angelegt.

Jeden Abend, bevor sie sich in ihr weiches Moosbett kuschelte, zählte Emilia ihre Schätze.

Eins, zwei, drei… bei siebenundzwanzig Haselnüssen geriet sie meistens durcheinander.

Oder war es schon die achtundzwanzigste?

„Hmpf“, murmelte sie dann und knabberte nachdenklich an ihrem Schwanzpuschel.

Zählen war wichtig, das wusste sie. Aber es war auch ein bisschen… nun ja, langweilig.

Immer nur Nüsse.

Braun, rund oder oval. Nicht sehr aufregend.

An diesem Abend war der Himmel besonders klar. Kein Wölkchen war zu sehen, nur tausende funkelnde Sterne.

Emilia saß auf ihrem Lieblingsast, direkt vor ihrer Höhle, und wollte gerade mit ihrer Nusszählerei beginnen.

Sie hatte eine besonders dicke Eichel in der Pfote.

„Eins…“, murmelte sie.

Plötzlich zischte ein heller Streifen über den Nachthimmel.

„Huch!“, machte Emilia und ließ vor Schreck die Eichel fallen. Klonk! Sie landete auf dem Kopf von Fips Fuchs, der gerade unter dem Baum vorbeischlich.

„Aua! Emilia! Regnet es heute Eicheln?“, rief Fips und rieb sich die Beule.

„Entschuldige, Fips!“, rief Emilia zurück. „Hast du das gesehen? Dieses… dieses blitzende Ding da oben?“

Noch während sie sprach, zischte ein zweiter Lichtstreifen über den Himmel.

„Wow! Noch eins!“, piepste Emilia begeistert.

Fips legte den Kopf schief. „Ach, das sind doch nur Sternschnuppen. Die fallen manchmal vom Himmel.“

Sternschnuppen? Emilia hatte noch nie bewusst eine gesehen. Sie waren viel spannender als Nüsse!

Sie funkelten! Sie flitzten! Sie waren… magisch!

„Wie viele gibt es davon?“, fragte Emilia neugierig.

Fips zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Viele? Wen kümmert’s?“

Mich kümmert’s!“, dachte Emilia entschlossen. „Ich werde sie zählen!“

Sie vergaß ihre Nüsse, vergaß Fips, vergaß sogar, dass sie eigentlich müde war.

Sie setzte sich aufrecht hin, spitzte die Ohren und starrte angestrengt in den Himmel.

„Eins…“, flüsterte sie, als die nächste Sternschnuppe vorbeisauste.

„Zwei… drei…“

Das war viel aufregender als Nüsse zählen! Aber auch schwieriger.

Die Sternschnuppen waren so schnell weg, wie sie gekommen waren.

„Vier… äh… fünf…“ Emilia rieb sich die Augen.

Sie musste wach bleiben, um alle zu erwischen!

Sie versuchte, ihre Augenlider mit winzigen Zweiglein aufzustützen, aber das piekste nur.

Dann versuchte sie, auf einem Bein zu balancieren, um nicht einzunicken. Das endete damit, dass sie fast vom Ast purzelte.

„Huu-huu! Was treibst du denn da, Emilia?“, ertönte eine tiefe Stimme.

Herr Eule saß auf einem Ast über ihr und blinzelte weise.

„Ich zähle Sternschnuppen, Herr Eule!“, erklärte Emilia stolz. „Es sind schon… äh… sieben! Oder waren es acht?“

Herr Eule räusperte sich. „Sternschnuppen zählen? Emilia, Kindchen, solltest du nicht lieber schlafen? Oder deine Nüsse für den Winter sichern?“

„Nüsse sind langweilig!“, protestierte Emilia. „Sternschnuppen sind viel besser! Vielleicht bringen sie Glück! Oder… oder Weltraum-Nüsse!“

Fips, der immer noch unter dem Baum stand, kicherte. „Weltraum-Nüsse? Die will ich auch!“

Herr Eule seufzte. „Emilia, Sternschnuppen sind schön anzusehen, das stimmt. Aber sie machen nicht satt. Der Winter kommt bestimmt.“

In diesem Moment zischte eine besonders helle, lange Sternschnuppe über den Himmel.

„WOW! Die war riesig! Das ist Nummer… äh… neun! Definitiv neun!“, rief Emilia so begeistert, dass sie das Gleichgewicht verlor.

Sie kippte nach hinten, ihre Pfoten ruderten in der Luft!

„Hilfe!“, quiekte sie.

Doch bevor sie fallen konnte, machte Fips einen schnellen Satz und fing sie mit seinem buschigen Schwanz auf.

„Puh! Das war knapp!“, schnaufte Fips. „Diese Sternschnuppen sind ja gefährlich!“

Emilia saß zitternd auf Fips‘ Rücken. Ihr Herz klopfte bis zum Hals.

Herr Eule landete neben ihnen.

„Siehst du, Emilia?“, sagte er sanft. „Manchmal ist es gut, wenn man auf festem Boden – oder zumindest auf einem sicheren Ast – bleibt. Und wenn man sich auf das Wichtige konzentriert.“

Emilia schaute zu ihrer Baumhöhle hinauf, wo ihre halb gezählten Nüsse lagen.

Dann schaute sie wieder zum funkelnden Sternenhimmel.

Beides war schön. Die sicheren Nüsse und die aufregenden Sternschnuppen.

„Aber… zählen macht doch Spaß“, murmelte sie leise.

„Vielleicht musst du dich nicht entscheiden“, sagte Herr Eule mit einem leisen Lächeln.

„Wie meinst du das?“, fragte Emilia.

„Nun“, erklärte Herr Eule, „tagsüber, wenn die Sonne scheint, kannst du fleißig Nüsse sammeln und zählen. So viele du willst.“

Er machte eine Pause.

„Und abends, bevor du schlafen gehst, kannst du dir ein paar Minuten Zeit nehmen, um nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Ein paar wenige, als kleines Betthupferl für die Augen.“

Fips nickte zustimmend. „Gute Idee! Dann fällst du auch nicht mehr vom Baum.“

Emilia dachte nach. Nüsse am Tag, Sterne am Abend.

Das klang vernünftig. Und irgendwie gemütlich.

„Okay“, sagte sie schließlich. „Das mache ich!“

Sie kletterte von Fips‘ Rücken und huschte zurück zu ihrem Ast.

Sie zählte noch schnell drei weitere Sternschnuppen. Nur drei.

„Zehn, elf, zwölf“, flüsterte sie zufrieden.

Dann krabbelte sie in ihre Höhle, kuschelte sich in ihr Moosbett und dachte an funkelnde Lichter am Himmel und den beruhigenden Duft ihrer vielen, vielen Nüsse.

Sie musste lächeln.

Vielleicht waren Nüsse doch nicht so langweilig.

Und Sternschnuppen waren am schönsten, wenn man sie mit Freunden bestaunte und danach sicher im eigenen Bett lag.

Mit einem leisen Seufzer schloss Emilia die Augen und träumte von einem Himmel voller glitzernder Weltraum-Nüsse, die sanft in ihre Pfoten fielen.

Gute Nacht, kleine Sternenzählerin.