Paula Pupsbohne und das Geheimnis der stillen Winde

Paula Pupsbohne und das Geheimnis der stillen Winde

Die kleine Erbse Paula kann nicht schlafen, weil stille Pupse sie hüpfen lassen. Eine nächtliche Küchen-Odyssee auf der Suche nach Ruhe.

Tief unten im Gemüsefach des großen, summenden Kühlschranks wohnte eine kleine, runde Erbse namens Paula.

Paula war eine ganz normale Erbse, meistens jedenfalls. Sie war grün, kullerrund und liebte es, sich an ihre Erbsenbrüder und -schwestern zu kuscheln.

Aber Paula hatte ein kleines, kitzliges Geheimnis.

Immer wenn sie versuchte einzuschlafen, passierte es.

Kein lauter Knall, kein Geräusch, nicht einmal ein leises Flüstern.

Aber plötzlich machte ihr kleiner Erbsenkörper einen winzigen Hüpfer.

Ein stiller, aber überraschend kräftiger Pups drückte sie ein Stückchen zur Seite.

„Och nö, nicht schon wieder!“, murmelte Paula in die Dunkelheit des Gemüsefachs.

Sie rollte ein kleines Stück nach links und stieß gegen ihren Bruder Peter.

„He, pass doch auf!“, brummte Peter im Schlaf.

„Tut mir leid“, flüsterte Paula. „Das war… äh… ein Versehen.“

Sie versuchte, ganz stillzuliegen. Sie zählte Schäfchen, dachte an ruhige Wiesen und an das sanfte Summen des Kühlschranks.

Langsam fielen ihr die Augen zu… doch gerade als sie ins Land der Träume abdriftete…

Pffft! (Ein ganz leises, innerliches Pffft, das nur sie spürte.)

Und wieder machte sie einen kleinen Satz, diesmal nach rechts, direkt in die weiche Seite ihrer Schwester Petra.

„Paula! Lass das!“, murmelte Petra.

Paula seufzte. Das war doch zum Verrücktwerden! Wie sollte sie jemals Schlaf finden, wenn sie ständig unkontrolliert durch die Gegend hüpfte?

„Vielleicht brauche ich einfach einen anderen Schlafplatz“, dachte sie entschlossen.

Sie wartete, bis alle anderen Erbsen tief und fest schliefen und nur noch das leise Schnarchen von Onkel Gustav zu hören war.

Dann nahm sie all ihren Mut zusammen. Sie konzentrierte sich, dachte an einen besonders lustigen Witz, den die Karotte Karl-Heinz erzählt hatte, und…

PFFFT! (Ein besonders kräftiger, stiller Pups!)

Dieser Pups hatte es in sich! Er ließ Paula nicht nur hüpfen, sondern katapultierte sie regelrecht nach oben, über den Rand des Gemüsefachs!

Sie machte einen kleinen Salto in der kühlen Kühlschrankluft und landete sanft auf einem Salatblatt.

„Wow!“, flüsterte sie. „Das war ja wie Fliegen!“

Genau in diesem Moment ging mit einem leisen Klicken die Kühlschranktür einen Spaltbreit auf. Ein schläfriger Mensch tapste herein, murmelte etwas von „Mitternachtssnack“ und griff nach der Milch.

Ein Luftzug erfasste das Salatblatt, auf dem Paula saß.

„Huch!“

Das Blatt segelte wie ein kleiner Teppich aus dem Kühlschrank hinaus und landete mit einem sanften Rascheln auf dem kühlen Küchenboden.

Die Kühlschranktür schloss sich wieder mit einem leisen „Klack“.

Paula war allein. In der riesigen, dunklen Küche.

Sie kullerte vom Salatblatt herunter. Der Boden war kalt und weit. Die Stuhlbeine sahen aus wie riesige Baumstämme.

„Hallo?“, piepste sie unsicher.

Ein kleines Rascheln antwortete ihr aus einer dunklen Ecke.

Ein winziger Brotkrümel mit müden Augen kam langsam näher.

„Wer… wer bist du?“, fragte der Krümel. „Ich bin Klaus. Krümel Klaus. Ich habe mich verlaufen.“

„Ich bin Paula. Erbse Paula“, sagte sie. „Ich bin… äh… rausgefallen.“

„Passiert“, murmelte Klaus. „Hier draußen ist es gruselig. Überall Staubmäuse.“

Paula schauderte. Staubmäuse klangen nicht nett.

„Ich suche einen ruhigen Schlafplatz“, erklärte Paula. „Ich kann in meinem Fach nicht schlafen, weil ich immer… hüpfen muss.“ Sie traute sich nicht, das Wort „pupsen“ zu sagen.

Klaus gähnte. „Hüpfen? Komisch. Ich falle immer nur auseinander.“

Paula überlegte. Vielleicht wusste jemand anderes Rat.

Sie spürte ein kleines Kribbeln. „Vielleicht kann ich ja…“

Sie konzentrierte sich wieder.

Pfft! Ein kleiner Schub nach vorn.

Pfft! Noch einer.

Sie rollte langsam über den Küchenboden, an Krümel Klaus vorbei, der ihr verdutzt nachsah.

„Wohin rollst du?“, rief er.

„Ich suche jemanden Weisen!“, rief Paula zurück.

Sie rollte und rollte, immer wieder angetrieben von ihren kleinen, stillen Winden. Sie wich einer bedrohlich aussehenden Staubflocke aus und umrundete ein Stuhlbein.

Plötzlich stieß sie gegen etwas Hartes, Metallisches.

„AUA! Wer wagt es, mich anzurempeln?“, dröhnte eine blecherne Stimme.

Paula blickte nach oben. Sie war gegen einen großen, grimmig dreinblickenden Salzstreuer gerollt.

„Entschuldigung, Herr Salzstreuer“, piepste Paula. „Ich habe Sie nicht gesehen.“

„Salzfass Siegfried, wenn ich bitten darf!“, schnarrte der Streuer. „Was kullert hier nachts so respektlos herum? Unerhört! Bringt nur Unruhe!“

„Ich suche nur einen Schlafplatz“, erklärte Paula. „Und vielleicht wissen Sie, warum ich immer so… hüpfe?“

Siegfried schnaubte verächtlich. „Hüpfen? Papperlapapp! Wahrscheinlich zu viel Kohlensäure im Wasser gehabt. Geh mir aus dem Weg, Grünschnabel!“

Paula seufzte. Der war ja keine große Hilfe.

Sie blickte sich um. Hoch oben auf der Arbeitsplatte sah sie etwas baumeln. Es sah aus wie ein kleiner Beutel an einem Faden.

„Da komme ich nie hoch“, dachte sie.

Doch dann spürte sie es wieder, das vertraute Kribbeln.

„Na gut, Versuch macht klug“, murmelte sie.

Sie nahm Anlauf, konzentrierte sich ganz fest und…

PFFFFFTTTT! Ein Super-Turbopups!

Paula schoss wie eine kleine grüne Kanonenkugel am Schrankbein empor! Sie machte einen eleganten Bogen und landete – plumps – direkt neben dem baumelnden Etwas.

Es war ein Teebeutel. Ein alter, weiser Teebeutel der Sorte „Abendruhe“.

„Guten Abend, junge Erbse“, sagte der Teebeutel mit einer sanften, raschelnden Stimme. „Ein etwas… schwungvoller Auftritt.“

„Oh, Verzeihung“, sagte Paula außer Atem. „Ich bin Paula. Ich habe ein Problem.“

Sie erzählte dem Teebeutel, den sie Herr Beutel nannte, von ihren nächtlichen Hüpfern.

Herr Beutel hörte geduldig zu und wiegte sich sanft hin und her.

„Ah, die stillen Winde“, sagte er schließlich nachdenklich. „Manche nennen es eine Last, andere ein Talent.“

„Ein Talent?“, fragte Paula erstaunt.

„Aber ja“, raschelte Herr Beutel. „Sie bringen dich voran, nicht wahr? Sie haben dich aus dem Kühlschrank befördert, über den Boden getragen und hier heraufgebracht. Vielleicht sind sie gar kein Problem, sondern deine ganz besondere Art, dich fortzubewegen.“

Paula dachte nach. So hatte sie das noch nie gesehen.

„Aber ich will doch nur schlafen“, sagte sie leise.

„Verständlich“, nickte Herr Beutel. „Manchmal braucht man nur den richtigen Ort. Sieh dich um. Wo könntest du sanft landen?“

Paula blickte über die Arbeitsplatte. Dort drüben stand die Obstschale. Darin lagen Äpfel, Orangen und eine große, weiche Banane.

„Vielleicht bei der Banane?“, überlegte Paula.

„Ein Versuch ist es wert“, sagte Herr Beutel lächelnd.

Paula holte tief Luft, spürte das bekannte Kribbeln und ließ es geschehen.

Pfft. Ein sanfter Schub.

Sie rollte über die Arbeitsplatte, direkt auf die Obstschale zu.

Mit einem letzten kleinen Pfft hopste sie über den Rand der Schale und landete weich, direkt neben der gemütlichen Banane.

Es war warm hier und roch süßlich.

Paula kuschelte sich an die weiche Bananenschale.

Sie schloss die Augen. Sie spürte ein winziges Rumoren in ihrem Inneren.

Sie wartete auf den Hüpfer…

Pfft.

Aber diesmal war es anders. Der kleine, stille Pups ließ sie nicht hüpfen. Er schaukelte sie nur ganz sanft hin und her, als läge sie in einer Wiege.

Pfft. Sanftes Schaukeln.

Pfft. Hin und her.

Paula lächelte. Es war gemütlich. Es war ruhig.

Langsam, ganz langsam, schaukelte Paula Pupsbohne in den Schlaf, getragen von ihren eigenen, kleinen, stillen Winden.

Sie träumte, dass sie sanft durch den Nachthimmel schwebte, eine kleine grüne Sternschnuppe mit eingebautem Antrieb.

Als am Morgen die Sonne durch das Küchenfenster blinzelte, fand ein kleines Mädchen Paula neben der Banane.

„Oh, eine Erbse! Wie kommt die denn hierher?“, wunderte es sich, nahm Paula vorsichtig auf und legte sie zurück zu ihren Brüdern und Schwestern ins Gemüsefach.

Paula wachte erfrischt und ausgeruht auf. Ihre Geschwister merkten nichts von ihrem nächtlichen Abenteuer.

Aber Paula wusste jetzt: Manchmal sind die Dinge, die uns komisch vorkommen, gar nicht so schlimm. Manchmal sind sie sogar ein kleines bisschen magisch. Und manchmal braucht man nur den richtigen Ort, um sanft in den Schlaf gepupst zu werden.